Loading...
de

MartinBs Blog

Nachdem ich jetzt so schön die "Fachhändler" verrissen habe, kommen jetzt die Fachhändler dran. Denn ja, wirklich, es gibt sie tatsächlich noch.

Damit meine ich jetzt nicht die freundliche, nette Verkäuferin, die einen kompetent in Sachen "Hose" berät, einem Text anbietet, bis die Ohren bluten, und wenn man sich freut, sich in der Kabine mal zwei Minuten ungestört umziehen zu können, ein fröhliches "Uuuuund?" durch den halben Laden erschallen lässt. (Ich bin dann lieber wieder gegangen. Ohne etwas zu kaufen.) Nein, damit meine ich den örtlichen Baumarkt.

Ich habe einen Verdacht. Einen gar schlimmen Verdacht...

... der hat wahrscheinlich Heimwerker eingestellt. Die können was! Die wissen tatsächlich einiges über die Dinge, die sie verkaufen! Die beraten einen tatsächlich. Und die verkaufen einem auch Dinge, die eben günstig sind und einfach nur ihren Zweck erfüllen, ohne an ihren Umsatz zu denken!

Ich mag den Laden. Sicher, er ist nicht der größte. Wahrscheinlich hat er auch nicht das breiteste Sortiment. Ja, und die Maschinen, die er anbietet, habe ich auch noch nicht gekauft. Dafür geliehen. Und er ist auch nicht der billigste.

Obwohl ... also, davon bin ich nicht ganz überzeugt. Ich brauchte einen neuen Durchlauferhitzer. Und wie das bei den Dingern so ist: Schnell. Denn natürlich gehen sie dann kaputt, wenn man das warme Wasser am dringendsten braucht. Ok... Durchlauferhitzer, Maße aufgenommen, und im Internet gesucht. Hm, ja, ebay, 239 zzgl. Versand. Amazon? Vergiss es. Andere? Schwer zu finden. Außerdem geht es um eine höhere Summe, da bin ich vorsichtig. Ok, also noch ein paar Baumärkte abgeklappert. 399, 499, 349, oh, 289 Euro. Als ich schon fast aufgegeben hatte, auf dem Heimweg noch einen kurzen Abstecher über den lokalen Baumarkt. 499, ok. 349. Hm. 259, ok, der wäre dann auch gut, aber etwas unterdimensioniert. 229 Euro - Moment, was?

Tatsächlich gab es zum Mitnehmen einen Durchlauferhitzer unter dem günstigsten Preis, den ich im Internet gefunden habe. Die inneren Werte waren die richtigen, vielleicht minimal über den Werten des alten Geräts. Dieses Gerät tut nun seit vielen Jahren still und leise seinen Dienst. Gelegentlich etwas Liebe und Pflege (Entkalken), und das durchlauferhitzende Leben geht weiter.

Das ist kein Einzelfall. Es gibt dort Mischbatterien für 9,99 Euro, wenn ich das richtig im Kopf habe. Die sind ordentlich, man kann nicht mit ihnen angeben, aber sie sind ordentlich. Natürlich liegen daneben auch Mischbatterien für 39 bis 119 Euro. Klar. Wer Geld ausgeben möchte, wird dort natürlich auch nicht daran gehindert.

Den Vogel abgeschossen aber hat ein Mitarbeiter aus dem Zuschnitt. Ich hatte (ohne weitere Kenntnis) ganz nett angefragt, ob sie mir ein Brett 200x3cm schneiden könnten. Ja, drei Zentimeter auf zwei Meter. (Das war für einen Wandabschluss eines Schranks.) Er schaut mich etwas seltsam an (ok, der Wunsch war ja auch seltsam), zieht seine Platte aus dem Lager, bringt sie auf die Schneidemaschine. Und schneidet. Und klebt mir einen Preiszettel von 0,60 Euro oder so auf meinen Zuschnitt. Gleichzeitig weist er mich darauf hin: "Normalerweise machen wir ja nur mindestens 10 Zentimeter." (Das wusste ich eben nicht.) Mit diesen Worten drückt er mir meinen Zuschnitt in die Hand und wünscht mir gutes Gelingen.

Ab damit zu den einzigen Mitarbeitern, die vielleicht teilweise etwas weniger Wissen um Wasserhähne und Abflussrohre, Dünger oder Rasenmäher, Pinsel und Farbe oder gleich Leinwand haben: Zur Kasse. Da dort aber auch strenge Arbeitsteilung herrscht, macht das nicht wirklich viel aus.

Dieser Markt hat aus meiner Sicht verschiedene Dinge, die ihn attraktiv machen:
- keine Wartezeit bis zum Artikel (ich habe meine Schrauben jetzt, nicht erst nach Versandzeit)
- Verkäufer, die den Kundennutzen im Blick haben (auch wenn sie nicht damit werben)
- und eben keinen (gut, manchmal keinen großen) Preisnachteil gegenüber dem Internet.

Ich hoffe, dass er sich noch lange hält. Seinen Besucherzahlen nach zu urteilen, hat er gute Chancen. Bei uns im Ort hat er dazu noch Alleinstellungsmerkmal, alle Heimwerker, denen am Samstag noch eine Dichtung fehlt, fahren also mal eben dorthin.

Ist das vielleicht Einzelhandel 2.0? Nein, meiner Meinung nach ist das einfach nur die simple Rückbesinnung auf das, was Geschäfte attraktiv macht: Echte Beratung von Menschen, die verstehen, von was sie reden. Die selber machen, was sie von sich geben und das eben nicht nur aus Videos kennen. Verkäufer, die nicht den eigenen Gewinn maximieren, sondern den des Kunden, die den Kunden auf diese Weise zufrieden stellen, und ihn dadurch wiederkommen lassen. Leidenschaft überwiegend freundlicher Verkäufer für die eigenen Produkte. Und manchmal ein Angebot, das man nicht ablehnen kann...
Es gibt wenig Freunde, aber viel Umsatz ... für Amazon. Handel über's Internet ist gefragter denn je, egal, ob über den eigenen Webshop oder über eine andere Plattform. Der deutsche Einzelhandelsverband warnte schon lange vor dem Aussterben der qualifizierten Fachhändler vor Ort.

Anfangs musste ich an einen Einzelfall denken: Ich war im örtlichen Telekommunikationsfachgeschäft, wo ich für die defekte Basisstation meines DECT-Telefons Ersatz haben wollte. "Kriegen wir nicht mehr", hieß es da. "Gibt es nur für qualitativ hochwertige Telefone." (Ich gebe zu, dass ich mich nur im Stillen gefragt habe, warum man mir dieses anscheinend so qualitativ minderwertige Telefon wenige Jahre zuvor noch im gleichen Laden für einen - meiner Erinnerung nach - dreistelligen Betrag verkauft hat.) Wieder daheim habe ich also selbst eine Alternative gesucht: Die Fritz-Box kann auch DECT-Basis, Ladegeräte gibt's für 20 Euro auf eBay. Seit mittlerweile auch wieder einigen Jahren tut mein Telefon noch immer seinen Dienst. Dank ... ach ne, der Einzelhandel war da ja nicht beteiligt. Im Übrigen werde ich den Laden meiden, soweit es irgendwie geht. Man bekommt dort ja auch minderwertige Telefone verkauft, wie er mir versicherte.

Gut, ein Einzelfall. Da ich auch gerne fotografiere, und darüber nachgedacht habe, mir eine andere Kamera anzuschaffen, bin ich also in ein Fotofachgeschäft gegangen. (Und ja, ich wollte dort auch dann kaufen, wenn die Kamera 30 oder 50 Euro teurer gewesen wäre.) Ich habe dem Verkäufer dann ein paar detaillierte Fragen gestellt, die er auch fachkompetent dank Internet beantwortet hat. Öhm. Ja. Als ich nach dem Verkaufspreis einer Kamera gefragt habe, schaute er vor meinen Augen auf Amazon nach. ("Ich kann Sie die Preise ruhig sehen lassen, da wir die auch nicht direkt besorgen können...") Die Ehrlichkeit ist beeindruckend. Der Eindruck hinterlässt ein Fragezeichen. Ich habe noch immer keine neue Kamera. Diesmal wirklich dank des Einzelhandels. Eigentlich bin ich im Wesentlichen auch ganz zufrieden. RAW dürfte sie halt fotografieren, und ein wenig mehr Licht dürfte sie bei Dämmerung reinlassen. Aber mir scheint, bei einem Objektiv mit 24fach optischem Zoom, einer Blendenzahl von 2,8 im Telemodus ist das Jammern auf allerhöchstem Niveau. Das wiederum weiß ich ... aus dem Internet.

Das langsame Sterben des Einzelhandels. Wenn ein Verband das nächste Mal über gute Beratung berichtet, kann ich ihn nicht mehr ernst nehmen.
Ich habe mal irgendwo gehört, dass im Schnitt mehr Mails mitgelesen werden, als Postkarten. Wer also vertrauliche Daten verschickt, sollte seine Mails unbedingt verschlüsseln.

Letztlich ist technisch aber das Surfen im Internet auch nicht viel komplizierter mitzulesen. Und in vielen Fällen kann man als User noch einfacher verschlüsseln: Statt http:// einfach ein https:// vor die Adresse in der Adresszeile setzen. Das "s" steht für secure, also verschlüsselt. Das Mitlesen wird dann zumindest deutlich erschwert: Die Webseite identifiziert sich mit einer elektronischen Unterschrift, und als Nutzer kann ich mir anschauen, wer mir die Daten schickt. Wenn das dann auch wirklich die aufgerufene Webseite ist, ist das ja fein für mich.

Ich gebe zu, das bei kleineren Webseiten manchmal einfach mal so "auf gut Glück" zu probieren. Und sehr oft habe ich dann das Problem, dass das nicht unterstützt wird. Der Grund ist auch ganz einfach: So eine elektronische Unterschrift muss natürlich beglaubigt werden. Und diese Beglaubigung dürfen nur wenige Firmen ausstellen. Und die wollen Geld dafür.

... alle? Nein, nicht alle. Seit letztem Jahr versucht sich eine Firma darin, Zertifikate zu verteilen, die kostenfrei sind. Let's encrypt stellt diese Unterschriftsbeglaubigungen einfach jedem aus, der sich die Mühe macht, dort anzufragen. Für Linux haben sie einen Client geschrieben, der von Github heruntergeladen werden kann und einfach so gestartet werden kann. Zusätzlich gibt es einige "Nebenprojekte" wie Web-basierte Anfragen oder Plugins für cPanel.

Ich muss aber auch zugeben, dass ich einige Startschwierigkeiten hatte:

1) Die zu beantragende Webseite läuft nicht lokal, sondern wird gehostet. Damit entfällt schon einiges vom Automatismus, denn letztlich muss ich irgendwie beweisen, dass ich Verfügungsgewalt über die Seite habe.

2) Ich arbeite aktuell hauptsächlich unter Windows.

Gut, Windows soll jetzt mal nicht das Problem sein. Dann kann ich halt nicht den originären Client benutzen, sondern muss mich auf beispielsweise das Webinterface zurückziehen. Aus irgendeinem Grund konnte ich hier aber noch nicht einmal beweisen, dass ich auch Verfügungsgewalt über meinen (persönlichen) Schlüssel habe. Womit auch immer das zusammenhing, ich werde es wohl nie erfahren.

Danach habe ich in meiner minimalen virtuellen Maschine geschaut: Tatsächlich bot mir Gentoo auch den Client von Let's encrypt an. Also schnell installiert. Erwartungsvoll gestartet. Und eine Fehlermeldung von Python geerntet. Toll. Dann eben erstmal nicht.

Wenige Tage später habe ich nochmal geschaut: Tatsächlich gab es eine neue Version. Also diese installiert und gestartet und ... es lief!

Grundsätzlich lief die Bestellung des Zertifikats dann auch reibungslos ab. In meiner Version wenig gut dokumentiert ist der Schalter --manual, den ich unbedingt benötigt habe. Damit sagt man, dass nicht das Programm automatisch den Rechner, auf dem es läuft, für den Verschlüsselungsvorgang verwenden soll, sondern man selbst die Modifikationen am Webserver vornehmen möchte. Im Endeffekt bedeutet das nichts anderes, als dass man in ein bestimmtes Verzeichnis (/.well-known/acme-challenge/) eine Datei mit einem bestimmten Namen und bestimmten Inhalt ablegen muss. Beides sieht ziemlich zufällig aus.

Ebenfalls sollte man sich davor hüten, schon ein Zertifikat installiert zu haben. Das veranlasst Let's encrypt leicht zu Fehlannahmen, bei mir beispielsweise, dass mein Webhoster die Verfügungsmacht über meine Domain hat. (Was ja irgendwie auch wieder passt...)

Ich denke, der erste "Einarbeitungsaufwand" ist vielleicht gegeben, ja. Aber danach geht's wirklich nicht mehr einfacher. Irgendwie fast enttäuschend, wenn dann schon am Bildschirm steht: "Congratulations! Your certificate is ..." Schlussendlich durfte ich noch die Zertifikate meinem Webhoster bekanntgeben, und seitdem kann jeder verschlüsselte Verbindungen ohne Warnung in seinem Webbrowser aufbauen.

Wer sich selbst mal versuchen möchte:
https://letsencrypt.org/

Google wird ja immer wieder dafür kritisiert, die Daten und Suchen der Nutzer zu speichern. Auf der anderen Seite ist so eine Google-Suche schon extrem praktisch. Oft meine ich, die Ergänzungsvorschläge stammen direkt aus meinen Gedanken.

Aber ich habe mal ausprobiert, wie das mit anderen Suchmaschinen ist... Mit den Ergebnissen von Bing bin ich irgendwie nicht so zurecht gekommen. duckduckgo ... auch nicht. Und die anderen waren wohl auch nicht so der Hit. Die besten Treffer lieferte gefühlt einfach Google.

Und dann passierte etwas: Ich habe mal versehentlich meine Standardsuchmaschine (das Suchfeld oben rechts im Browser) umgestellt. Und irgendwie war ich zuerst zu faul, zurückzustellen. Dann merkte ich, dass man mit etwas Übung die Treffer ebenfalls gut nutzen kann. Und dass auch andere Suchmaschinen mittlerweile Zusatzinformationen anzeigen, wie Google. (Beispielsweise einen Wikipedia-Eintrag, wenn man nach einer Stadt sucht.) Es lohnt sich also, immer mal wieder zu probieren und auch mal ein paar Tage die vermeintlich schlechtere Alternative zu nutzen.

Ich gebe zu: In Einzelfällen nehme ich noch immer Google. Nicht immer liefert mir duckduckgo.com die "richtige" Antwort. Und manche Anfrage stelle ich auch einfach direkt auf Englisch. (Das bietet gerade im Bereich von Linux und Computern einen deutlich größeren Antworten-Pool.) Aber in vielen Fällen gibt es tatsächlich Alternativen für Menschen, die es nicht besonders mögen, wenn ihre kompletten Suchanfragen aufgezeichnet werden. Einfach mal längere Zeit probieren...