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Ich bin ein Freund stabiler Umgebungen. Ich mag es, wenn Dinge ordentlich, nett, gerne auch unaufgeregt vonstatten gehen. Auch Diskussionen, Fragerunden oder ähnliches dürfen emotionsarm geführt werden, da ich wenig Sinn darin sehe, die anderen Diskussionsteilnehmer gleich "an die Decke" gehen zu lassen.

Was kann also dabei helfen?

Eigentlich wäre es doch nur erforderlich, dass jeder möglichst wenig provoziert, und sich selbst möglichst wenig provozieren lässt. Nach kurzem Nachdenken wird wohl jedem klar werden, dass wir alle nur Menschen sind. Wir alle können mal was schreiben, was unfreundlich oder unhöflich ankommt. Vielleicht ist es so gemeint, vielleicht auch nicht. Wenn wir uns aber nicht provozieren lassen, und trotz unfreundlichem Gegenwind freundlich auftreten, beweisen wir, dass wir diskutieren wollen, dass es uns um die Sache geht. Und wenn wir alle ein wenig freundlicher Auftreten, als wir behandelt werden wollen, dann wird die Welt doch schon wieder ein kleines bisschen besser.

Auch so kann man das Robustness Principle deuten: Be conservative in what you do, be liberal in what you accept from others.

Martin Brunzel Feb 26 '16 · Stichworte: zwischenmenschliches
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Alles begann vor langer, ganz langer Zeit. Eigentlich so in den 1990ern. Damals entdeckte ich die Textadventures. Spiele, die in Text beschrieben, was um einen herum passiert ("Du stehst in einem Wald."), und bei denen man eben mit Text sagen konnte, was man als nächstes tun wollte ("gehe auf die Lichtung"). Danach verging Zeit, die Adventures gerieten bei mir in Vergessenheit, und das Internet und die PCs kamen.

Irgendwann erinnerte ich mich, dass ich doch damals die Adventures so gerne gespielt habe. Das muss so Anfang der 2000er gewesen sein. Also suchte ich im Internet. Da musste es sowas doch auch geben. Aber so richtig gefunden habe ich eigentlich nur noch die Infocom-Parser, die alte Textadventures emulierten. Und die sogenannten MUDs, Multi-User-Dungeons.

Neugierig suchte ich dann nach weiteren Informationen zu Multi-User-Dungeons, nachdem ich herausgefunden hatte, dass "Dungeon" in den meisten Fällen nicht (mehr?) auf schreckliche Kerker zurückzuführen war. Vielmehr handelte es sich um Online-Spiele, die - wie Textadventures - die virtuelle Welt um einen herum in Text beschrieb. In ausgefeilteren Fällen gab es "daneben" noch eine Textgrafik, die die Karte darstellte. Oder manchmal sehr nett anzuschauende ASCII-Grafiken, die dann eine Textrolle darstellten, oder ähnliches. "Multi-User" besagte aber auch, dass man in dieser virtuellen Welt eben nicht alleine spielt, sondern mit anderen Spielern zusammen. Also sowas ähnliches, wie ein Textadventure für viele.

Nun, ganz so einfach ist es aber auch wieder nicht. Im Gegensatz zum klassischen Textadventure liegt die Betonung sehr oft deutlich stärker auf dem Rollenspiel-Charakter. Ein Spieler "spielt" seinen Helden. In Adventures oft eher wenig hilfreiche Aktionen wie "winke" oder "umarme" sind durchaus an der Tagesordnung. Das Miteinander wird - je nach Spielergemeinschaft - größer geschrieben. Und je nach MUD gibt es mehr oder weniger stärkere Ausprägungen in Richtung "Kampf" und "Stärke".

Im deutschsprachigen Raum waren die größten Vertreter Unitopia (www.unitopia.de) und Avalon (avalon.mud.de). Beide hatten ein für mich vertretbares Maß an Betonung auf "Stärke" und "Kampf" (ich bin eher der Freund von Rätsel und Erforschen). Letztlich bin ich in Avalon hängen geblieben und habe eine zeitlang dort gespielt.

Letztens habe ich mich an diese Zeit zurück erinnert. Und einfach mal wieder vorbei geschaut:

Mittlerweile gibt es 7 Rassen, die man spielen kann. Neben Elfen, Dunkelelfen, Menschen, Zwergen und Hobbits auch die weniger geläufigen Exxen (auf "Stärke" trainiert) und Amphibien. Die ursprünglichen Gilden, wie die Klassen heißen, (Barden, Kleriker, Magier, Druiden, Runenschmiede) haben auch Zuwachs bekommen. Im Vergleich zu früher kann man auch deutlich mehr Berufe erlernen. Die Karte wurde weiterentwickelt. Aber am meisten ist mir in der Zeitung (also dem internen Nachrichtenbrett) etwas anderes ins Auge gefallen:

Schon damals, als ich dort gespielt habe, scheint es einige blinde Spieler gegeben zu haben. Davon hatte ich nie etwas bemerkt. Diejenigen, die Avalon weiter entwickeln, Freiwillige, die ihre Zeit investieren, damit wir Spieler unseren Spaß haben können, haben aber noch mehr gemacht: Nach Aussage von blinden Spielern haben sie das MUD zu einem Platz gemacht, an dem auch blinde Spieler ohne wirkliche Einschränkungen spielen können. Und, wie ich bestätigen kann, sehende ebenfalls wunderbar.

Das finde ich faszinierend. Eine Spielwelt, eine Art "Text-World-of-Warcraft", entwickelt von Freiwilligen, in der es keine Rolle spielt, ob man sehen kann, oder nicht. In der man im Zweifelsfall nicht mitbekommt, ob der Mensch am anderen Ende in irgendeiner Form von einem selber abweicht. Eine Spielewelt, in der wir alle gleich sind.

Wahrscheinlich werde ich noch die eine oder andere Stunde dort verbringen. Sicher werde ich das Projekt unterstützen, sei es durch Hinweise an die Erschaffer dieser Welt, oder durch Spenden zur Finanzierung des Servers. Und wenn Ihr Lust habt, schaut doch auch einfach mal rein: avalon.mud.de - Wer sich nicht auf Anhieb zurecht findet: Fragt einfach. Entweder mich,beispielsweise hier, oder einen andere Spieler. Bevorzugt natürlich diejenigen, die in der "wer"-Liste als "hilfsbereit" gekennzeichnet sind.
Martin Brunzel Feb 11 '16 · Stichworte: mud, blinde, avalon, spielen
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Ich spiele schon seit einigen Jahren mit Computern. Dabei setzt man dann auch mal einen SMTP-Server oder einen Webserver auf. Und dabei kommt es dann auch mal vor, dass man eben nicht nur wissen möchte, was der Browser oder der Mailclient sagt ("Connection failed" - Toll...), sondern eben auf Protokollebene wissen möchte, wieso die Verbindung fehlgeschlagen ist.

Ein tolles Tool dafür war immer telnet. "telnet localhost 80 - GET http://localhost/" - und schon hatte man, was der Browser bekam. Direkt, ungeschönt, Byte für Byte. Gut, es ist noch eine alte Version von http (0.9), aber daran stören sich die meisten Server nicht. Und wenn doch, tippe ich halt ein wenig mehr und nehme http/1.1. Wie aber macht man das mit https?

Heute stand ich vor genau diesem Problem: Eine https-Verbindung zu einem Webserver aufbauen. Der naheliegendste Versuch? "telnet localhost 443" - "GET https://localhost/" führte nur dazu, dass der Server meckerte: "400 Bad Request" Über einen SSL-Port nimmt er eben keine nicht-SSL-gesicherten Verbindungen an. Schön, sicher, aber nicht zielführend für mich.

Nach etwas Recherche habe ich dann gnutls gefunden. gnutls gibt es in der Unterform "gnutls-cli", was sehr analog zu telnet funtioniert: "gnutls-cli localhost -p 443" ist das Pendant zum Telnet-Befehl. Die positive Überraschung: Es wird direkt die SSL-Verbindung aufgebaut, und das Zertifikat des Servers auch noch gleich sauber auseinander genommen. "subject 'CN=localhost', issuer 'C=US,O=Let's Encrypt Auhtoriy X1', RSA key 2048 bits, ..." Detailliert werden die Fingerprints, die IDs, alles mögliche aufgeführt. Ich kann mir also sogar anschauen, ob vielleicht ein falsches Zertifikat für die Verbindung verwendet wird. Danach geht's ganz normal weiter, wie beim Telnet. Von der zugrundeliegenden Verschlüsselung merkt man nichts.

Ab heute ist meine Toolbox also um ein weiteres Werkzeug ergänzt: gnutls.

.. und ja, ich habe oben einen Fehler eingebaut: Für localhost wird man kein Zertifikat bekommen, das von Let's Encypt unterschrieben ist. :-) Da es sich hier aber nur um ein Beispiel handelt, sollte das nicht ernsthaft stören.
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Nachdem ich jetzt so schön die "Fachhändler" verrissen habe, kommen jetzt die Fachhändler dran. Denn ja, wirklich, es gibt sie tatsächlich noch.

Damit meine ich jetzt nicht die freundliche, nette Verkäuferin, die einen kompetent in Sachen "Hose" berät, einem Text anbietet, bis die Ohren bluten, und wenn man sich freut, sich in der Kabine mal zwei Minuten ungestört umziehen zu können, ein fröhliches "Uuuuund?" durch den halben Laden erschallen lässt. (Ich bin dann lieber wieder gegangen. Ohne etwas zu kaufen.) Nein, damit meine ich den örtlichen Baumarkt.

Ich habe einen Verdacht. Einen gar schlimmen Verdacht...

... der hat wahrscheinlich Heimwerker eingestellt. Die können was! Die wissen tatsächlich einiges über die Dinge, die sie verkaufen! Die beraten einen tatsächlich. Und die verkaufen einem auch Dinge, die eben günstig sind und einfach nur ihren Zweck erfüllen, ohne an ihren Umsatz zu denken!

Ich mag den Laden. Sicher, er ist nicht der größte. Wahrscheinlich hat er auch nicht das breiteste Sortiment. Ja, und die Maschinen, die er anbietet, habe ich auch noch nicht gekauft. Dafür geliehen. Und er ist auch nicht der billigste.

Obwohl ... also, davon bin ich nicht ganz überzeugt. Ich brauchte einen neuen Durchlauferhitzer. Und wie das bei den Dingern so ist: Schnell. Denn natürlich gehen sie dann kaputt, wenn man das warme Wasser am dringendsten braucht. Ok... Durchlauferhitzer, Maße aufgenommen, und im Internet gesucht. Hm, ja, ebay, 239 zzgl. Versand. Amazon? Vergiss es. Andere? Schwer zu finden. Außerdem geht es um eine höhere Summe, da bin ich vorsichtig. Ok, also noch ein paar Baumärkte abgeklappert. 399, 499, 349, oh, 289 Euro. Als ich schon fast aufgegeben hatte, auf dem Heimweg noch einen kurzen Abstecher über den lokalen Baumarkt. 499, ok. 349. Hm. 259, ok, der wäre dann auch gut, aber etwas unterdimensioniert. 229 Euro - Moment, was?

Tatsächlich gab es zum Mitnehmen einen Durchlauferhitzer unter dem günstigsten Preis, den ich im Internet gefunden habe. Die inneren Werte waren die richtigen, vielleicht minimal über den Werten des alten Geräts. Dieses Gerät tut nun seit vielen Jahren still und leise seinen Dienst. Gelegentlich etwas Liebe und Pflege (Entkalken), und das durchlauferhitzende Leben geht weiter.

Das ist kein Einzelfall. Es gibt dort Mischbatterien für 9,99 Euro, wenn ich das richtig im Kopf habe. Die sind ordentlich, man kann nicht mit ihnen angeben, aber sie sind ordentlich. Natürlich liegen daneben auch Mischbatterien für 39 bis 119 Euro. Klar. Wer Geld ausgeben möchte, wird dort natürlich auch nicht daran gehindert.

Den Vogel abgeschossen aber hat ein Mitarbeiter aus dem Zuschnitt. Ich hatte (ohne weitere Kenntnis) ganz nett angefragt, ob sie mir ein Brett 200x3cm schneiden könnten. Ja, drei Zentimeter auf zwei Meter. (Das war für einen Wandabschluss eines Schranks.) Er schaut mich etwas seltsam an (ok, der Wunsch war ja auch seltsam), zieht seine Platte aus dem Lager, bringt sie auf die Schneidemaschine. Und schneidet. Und klebt mir einen Preiszettel von 0,60 Euro oder so auf meinen Zuschnitt. Gleichzeitig weist er mich darauf hin: "Normalerweise machen wir ja nur mindestens 10 Zentimeter." (Das wusste ich eben nicht.) Mit diesen Worten drückt er mir meinen Zuschnitt in die Hand und wünscht mir gutes Gelingen.

Ab damit zu den einzigen Mitarbeitern, die vielleicht teilweise etwas weniger Wissen um Wasserhähne und Abflussrohre, Dünger oder Rasenmäher, Pinsel und Farbe oder gleich Leinwand haben: Zur Kasse. Da dort aber auch strenge Arbeitsteilung herrscht, macht das nicht wirklich viel aus.

Dieser Markt hat aus meiner Sicht verschiedene Dinge, die ihn attraktiv machen:
- keine Wartezeit bis zum Artikel (ich habe meine Schrauben jetzt, nicht erst nach Versandzeit)
- Verkäufer, die den Kundennutzen im Blick haben (auch wenn sie nicht damit werben)
- und eben keinen (gut, manchmal keinen großen) Preisnachteil gegenüber dem Internet.

Ich hoffe, dass er sich noch lange hält. Seinen Besucherzahlen nach zu urteilen, hat er gute Chancen. Bei uns im Ort hat er dazu noch Alleinstellungsmerkmal, alle Heimwerker, denen am Samstag noch eine Dichtung fehlt, fahren also mal eben dorthin.

Ist das vielleicht Einzelhandel 2.0? Nein, meiner Meinung nach ist das einfach nur die simple Rückbesinnung auf das, was Geschäfte attraktiv macht: Echte Beratung von Menschen, die verstehen, von was sie reden. Die selber machen, was sie von sich geben und das eben nicht nur aus Videos kennen. Verkäufer, die nicht den eigenen Gewinn maximieren, sondern den des Kunden, die den Kunden auf diese Weise zufrieden stellen, und ihn dadurch wiederkommen lassen. Leidenschaft überwiegend freundlicher Verkäufer für die eigenen Produkte. Und manchmal ein Angebot, das man nicht ablehnen kann...
Martin Brunzel Jan 20 '16
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Es gibt wenig Freunde, aber viel Umsatz ... für Amazon. Handel über's Internet ist gefragter denn je, egal, ob über den eigenen Webshop oder über eine andere Plattform. Der deutsche Einzelhandelsverband warnte schon lange vor dem Aussterben der qualifizierten Fachhändler vor Ort.

Anfangs musste ich an einen Einzelfall denken: Ich war im örtlichen Telekommunikationsfachgeschäft, wo ich für die defekte Basisstation meines DECT-Telefons Ersatz haben wollte. "Kriegen wir nicht mehr", hieß es da. "Gibt es nur für qualitativ hochwertige Telefone." (Ich gebe zu, dass ich mich nur im Stillen gefragt habe, warum man mir dieses anscheinend so qualitativ minderwertige Telefon wenige Jahre zuvor noch im gleichen Laden für einen - meiner Erinnerung nach - dreistelligen Betrag verkauft hat.) Wieder daheim habe ich also selbst eine Alternative gesucht: Die Fritz-Box kann auch DECT-Basis, Ladegeräte gibt's für 20 Euro auf eBay. Seit mittlerweile auch wieder einigen Jahren tut mein Telefon noch immer seinen Dienst. Dank ... ach ne, der Einzelhandel war da ja nicht beteiligt. Im Übrigen werde ich den Laden meiden, soweit es irgendwie geht. Man bekommt dort ja auch minderwertige Telefone verkauft, wie er mir versicherte.

Gut, ein Einzelfall. Da ich auch gerne fotografiere, und darüber nachgedacht habe, mir eine andere Kamera anzuschaffen, bin ich also in ein Fotofachgeschäft gegangen. (Und ja, ich wollte dort auch dann kaufen, wenn die Kamera 30 oder 50 Euro teurer gewesen wäre.) Ich habe dem Verkäufer dann ein paar detaillierte Fragen gestellt, die er auch fachkompetent dank Internet beantwortet hat. Öhm. Ja. Als ich nach dem Verkaufspreis einer Kamera gefragt habe, schaute er vor meinen Augen auf Amazon nach. ("Ich kann Sie die Preise ruhig sehen lassen, da wir die auch nicht direkt besorgen können...") Die Ehrlichkeit ist beeindruckend. Der Eindruck hinterlässt ein Fragezeichen. Ich habe noch immer keine neue Kamera. Diesmal wirklich dank des Einzelhandels. Eigentlich bin ich im Wesentlichen auch ganz zufrieden. RAW dürfte sie halt fotografieren, und ein wenig mehr Licht dürfte sie bei Dämmerung reinlassen. Aber mir scheint, bei einem Objektiv mit 24fach optischem Zoom, einer Blendenzahl von 2,8 im Telemodus ist das Jammern auf allerhöchstem Niveau. Das wiederum weiß ich ... aus dem Internet.

Das langsame Sterben des Einzelhandels. Wenn ein Verband das nächste Mal über gute Beratung berichtet, kann ich ihn nicht mehr ernst nehmen.
Martin Brunzel Jan 16 '16 · Kommentare: 4 · Stichworte: internethandel, einzelhandel
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Ich habe mal irgendwo gehört, dass im Schnitt mehr Mails mitgelesen werden, als Postkarten. Wer also vertrauliche Daten verschickt, sollte seine Mails unbedingt verschlüsseln.

Letztlich ist technisch aber das Surfen im Internet auch nicht viel komplizierter mitzulesen. Und in vielen Fällen kann man als User noch einfacher verschlüsseln: Statt http:// einfach ein https:// vor die Adresse in der Adresszeile setzen. Das "s" steht für secure, also verschlüsselt. Das Mitlesen wird dann zumindest deutlich erschwert: Die Webseite identifiziert sich mit einer elektronischen Unterschrift, und als Nutzer kann ich mir anschauen, wer mir die Daten schickt. Wenn das dann auch wirklich die aufgerufene Webseite ist, ist das ja fein für mich.

Ich gebe zu, das bei kleineren Webseiten manchmal einfach mal so "auf gut Glück" zu probieren. Und sehr oft habe ich dann das Problem, dass das nicht unterstützt wird. Der Grund ist auch ganz einfach: So eine elektronische Unterschrift muss natürlich beglaubigt werden. Und diese Beglaubigung dürfen nur wenige Firmen ausstellen. Und die wollen Geld dafür.

... alle? Nein, nicht alle. Seit letztem Jahr versucht sich eine Firma darin, Zertifikate zu verteilen, die kostenfrei sind. Let's encrypt stellt diese Unterschriftsbeglaubigungen einfach jedem aus, der sich die Mühe macht, dort anzufragen. Für Linux haben sie einen Client geschrieben, der von Github heruntergeladen werden kann und einfach so gestartet werden kann. Zusätzlich gibt es einige "Nebenprojekte" wie Web-basierte Anfragen oder Plugins für cPanel.

Ich muss aber auch zugeben, dass ich einige Startschwierigkeiten hatte:

1) Die zu beantragende Webseite läuft nicht lokal, sondern wird gehostet. Damit entfällt schon einiges vom Automatismus, denn letztlich muss ich irgendwie beweisen, dass ich Verfügungsgewalt über die Seite habe.

2) Ich arbeite aktuell hauptsächlich unter Windows.

Gut, Windows soll jetzt mal nicht das Problem sein. Dann kann ich halt nicht den originären Client benutzen, sondern muss mich auf beispielsweise das Webinterface zurückziehen. Aus irgendeinem Grund konnte ich hier aber noch nicht einmal beweisen, dass ich auch Verfügungsgewalt über meinen (persönlichen) Schlüssel habe. Womit auch immer das zusammenhing, ich werde es wohl nie erfahren.

Danach habe ich in meiner minimalen virtuellen Maschine geschaut: Tatsächlich bot mir Gentoo auch den Client von Let's encrypt an. Also schnell installiert. Erwartungsvoll gestartet. Und eine Fehlermeldung von Python geerntet. Toll. Dann eben erstmal nicht.

Wenige Tage später habe ich nochmal geschaut: Tatsächlich gab es eine neue Version. Also diese installiert und gestartet und ... es lief!

Grundsätzlich lief die Bestellung des Zertifikats dann auch reibungslos ab. In meiner Version wenig gut dokumentiert ist der Schalter --manual, den ich unbedingt benötigt habe. Damit sagt man, dass nicht das Programm automatisch den Rechner, auf dem es läuft, für den Verschlüsselungsvorgang verwenden soll, sondern man selbst die Modifikationen am Webserver vornehmen möchte. Im Endeffekt bedeutet das nichts anderes, als dass man in ein bestimmtes Verzeichnis (/.well-known/acme-challenge/) eine Datei mit einem bestimmten Namen und bestimmten Inhalt ablegen muss. Beides sieht ziemlich zufällig aus.

Ebenfalls sollte man sich davor hüten, schon ein Zertifikat installiert zu haben. Das veranlasst Let's encrypt leicht zu Fehlannahmen, bei mir beispielsweise, dass mein Webhoster die Verfügungsmacht über meine Domain hat. (Was ja irgendwie auch wieder passt...)

Ich denke, der erste "Einarbeitungsaufwand" ist vielleicht gegeben, ja. Aber danach geht's wirklich nicht mehr einfacher. Irgendwie fast enttäuschend, wenn dann schon am Bildschirm steht: "Congratulations! Your certificate is ..." Schlussendlich durfte ich noch die Zertifikate meinem Webhoster bekanntgeben, und seitdem kann jeder verschlüsselte Verbindungen ohne Warnung in seinem Webbrowser aufbauen.

Wer sich selbst mal versuchen möchte:
https://letsencrypt.org/

Martin Brunzel Jan 10 '16 · Kommentare: 1 · Stichworte: letsencrypt, verschlüsselung, encryption, ssl, privacy
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Google wird ja immer wieder dafür kritisiert, die Daten und Suchen der Nutzer zu speichern. Auf der anderen Seite ist so eine Google-Suche schon extrem praktisch. Oft meine ich, die Ergänzungsvorschläge stammen direkt aus meinen Gedanken.

Aber ich habe mal ausprobiert, wie das mit anderen Suchmaschinen ist... Mit den Ergebnissen von Bing bin ich irgendwie nicht so zurecht gekommen. duckduckgo ... auch nicht. Und die anderen waren wohl auch nicht so der Hit. Die besten Treffer lieferte gefühlt einfach Google.

Und dann passierte etwas: Ich habe mal versehentlich meine Standardsuchmaschine (das Suchfeld oben rechts im Browser) umgestellt. Und irgendwie war ich zuerst zu faul, zurückzustellen. Dann merkte ich, dass man mit etwas Übung die Treffer ebenfalls gut nutzen kann. Und dass auch andere Suchmaschinen mittlerweile Zusatzinformationen anzeigen, wie Google. (Beispielsweise einen Wikipedia-Eintrag, wenn man nach einer Stadt sucht.) Es lohnt sich also, immer mal wieder zu probieren und auch mal ein paar Tage die vermeintlich schlechtere Alternative zu nutzen.

Ich gebe zu: In Einzelfällen nehme ich noch immer Google. Nicht immer liefert mir duckduckgo.com die "richtige" Antwort. Und manche Anfrage stelle ich auch einfach direkt auf Englisch. (Das bietet gerade im Bereich von Linux und Computern einen deutlich größeren Antworten-Pool.) Aber in vielen Fällen gibt es tatsächlich Alternativen für Menschen, die es nicht besonders mögen, wenn ihre kompletten Suchanfragen aufgezeichnet werden. Einfach mal längere Zeit probieren...
Martin Brunzel Jan 10 '16 · Stichworte: suchmaschine, privacy, datenschutz
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Danielle Andrew von "I Fucking Love Science" hat einen Bericht über einen Pilz ausgegraben, der angeblich bei Frauen einen Orgasmus auslösen kann, wenn sie daran riechen. Erschienen ist der Pilz - äh, der Bericht schon 2001. Mir kommt das dubios vor. Wenn der Pilz schon vor 14 Jahren entdeckt wurde, warum hat ihn bis heute keiner vermarktet? Warum ist dieses mächtige Aphrodisiakum im reichhaltigen Filmschaffen, das sich der menschlichen Sexualität widmet - volgo: Porno  - noch nicht dokumentiert worden? Warum wurden die Pilze nicht weiter erforscht? Warum haben sie keinen Namen? Sonst benennen Forscher doch alles, was sie irgendwo finden!
War es vielleicht ein Aprilscherz? Dagegen sprechen die Erscheinungsdaten. Das genaue Erscheinungsdatum ist zwar nicht überliefert, aber vermutlich war es deutlich nach dem ersten April. Das Journal, in dem der Artikel erschien, kommt nach Plan vierteljährlich heraus, manchmal gibt es aber auch nur drei Ausgaben pro Jahr. Der Orgasmuspilz war in Nummer 2-3 2001. Eine Doppelnummer erscheint in der Regel später, also in diesem Fall eher im Mai oder Juni statt im April. Andererseits kann das aber auch ein Versehen sein... Wisst ihr was, ich frag einfach mal den Herausgeber Solomon P. Wasser. Bin gespannt, was er antwortet!
Der Pilz gehört anscheinend zur Familie Stinkhorn und riecht entsprechend unangenehm. Weitere zuverlässige Quellen habe ich bisher nicht gefunden. In Blogs wird um den Pilz gestritten, aber ohne handfeste Fakten.
Hausmeister Okt 9 '15 · Kommentare: 2 · Stichworte: orgasmus, pilz
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Kürzlich tauchten 2 Spammer auf RoundOF auf. Englische Namen, aber russische E-Mail-Konten. Ich gab ihnen die kostenlose Probemitgliedschaft, sie begannen zu spammen. Um fair zu sein, kommentierte ich den ersten Spam-Beitrag, um ihnen eine Chance zu geben, sich zu äußern. Als eine Antwort ausblieb, kündigte ich an, die Beiträge zu löschen.

2 Tage später löschte ich die Beiträge, entzog ihnen den Plus-Status und markierte ihre Accounts als Spam-Accounts, indem ich einen entsprechenden Hinweis als Kommentar auf ihre Profilseite schrieb.

Dabei fiel mir auf, dass das System an dieser Stelle nicht ganz fair ist: Solange jemand kein Vollmitglied ist, können Vollmitglieder auf dessen Profilseite schreiben, derjenige selbst aber nicht. Daher habe ich das geändert, so dass man jetzt auch mit kostenlosem Account auf Profilen kommentieren kann. Ganz optimal ist das immer noch nicht, weil jetzt Free-Mitglieder auf jedem Profil kommentieren können, nicht nur auf ihrem eigenen. Begrenzt ist das allerdings dadurch, dass man mit Free Account nur 5 Profile pro Tag aufrufen kann.

Ich habe jetzt die beiden Spam-Accounts blockiert. Dabei bekommt derjenige eine Mail, so dass er auf die Blockade reagieren kann. In Zukunft werde ich schneller auf Spam reagieren, Beiträge sofort löschen und die Accounts sperren.

Insgesamt glaube ich, dass diese Plattform gut gegen Spammer geschützt ist. Schon durch die Mitgliedsbeiträge ist RoundOF für das übliche Geschäftsmodell von Spammern einfach zu teuer. Dazu kommt das Captcha bei der Registrierung. Zudem können Spam-Beiträge sowohl im Forum als auch im Blog als SPAM gemeldet werden.
Hausmeister Okt 6 '15 · Kommentare: 5 · Stichworte: spam
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In Modellen der Wirtschaftswissenschaft wird der Mensch oft beschrieben als "Homo oeconomicus". Demnach wäre jeder eine kleine Ich-AG, eine rationale berechnende Wirtschaftseinheit. Kannst du dich damit identifizieren? Bist du so? Ich nicht.


Menschen streben nach Glück. Im beschränkten Horizont der Wirtschaftswissenschaft wird daraus das Streben nach Geld, nach wirtschaftlichem Vorteil. Und diese Sichtweise ist in unserer Kultur geradezu übermächtig geworden. Dabei ist Geld nur ein Element, das zum Glück beiträgt, und lange nicht das wichtigste. Ich bin überzeugt, dass andere Elemente viel mehr zum Glück beitragen: Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Dankbarkeit, Familie und Gemeinschaft zum Beispiel. Alles Dinge, die wir aus dem Blick verlieren, wenn wir zu sehr auf die BWLer hören.


Wir sollten aufhören, uns von Ökonomen blenden zu lassen. Ihr habt einen wichtigen Beitrag geleistet, vielen Dank. Aber jetzt sind wieder andere Themen gefragt.


Ich bin jedenfalls kein Nutzenmaximierer. Und du?

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